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08.12.2016

Interview im HR-Today zur Themenwoche 50+

Wenn über 50-Jährige arbeitslos sind, dauert es oft lange, bis sie wieder eine passende Stelle finden. In dieser Zeit liegt ihr Potential brach. Ungenutztes Fachwissen steht so auch in der Elektro- und Energiebranche einem Fachkräftemangel entgegen. Expert Service 50+ soll die beiden Trends mit Gewinn für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenbringen. Anlässlich der Themenwoche 50+ sprach das Journal HR-Today mit Ulrich Kunz, Leiter Expert Service 50+, über das Projekt und darüber, ob das Modell auch für andere Branchen denkbar wäre.

 

 

Herr Kunz, Sie waren Mitte November als Besucher an der HWZ-Arena zum Thema 50+. Welcher Eindruck hat der Anlass bei Ihnen hinterlassen?

Unterschiedlich – sowohl im Publikum als auch auf dem Podium. Von sachorientiert bis (unnötig) emotional. Klar gezeigt hast sich, dass wir das Thema nicht pauschalisieren können. Fast in jeder Branche und Berufsgattung gelten ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen – sei das Bau, IT, Industrie oder Finanzen. Es zeigte sich auch klar, das alle gefordert sind: die über 50-Jährigen selbst, Arbeitgeber, Behörden und die Politik. Ganz im Sinne von «Mitenand gahts besser».

 

Wie ist die Situation zwischen Menschen 50+ und Arbeitgebern aus Ihrer Sicht?

In unserem unmittelbaren Branchenumfeld stelle ich keine Unterschiede im Verhältnis von Arbeitgebern zu 50+ und anderen Altersgruppen fest. Gerade in der Elektro- und Energietechnik, sind sich Arbeitgeber dem Wert erfahrener Fachpersonen sehr wohl bewusst. Das hängt sicher auch damit zusammen, das viele Unternehmen in der Branche mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben. Dementsprechend sorgsam müssen wir mit den älteren Arbeitnehmern umgehen.

 

Den Wert erfahrener Fachpersonen sollen Arbeitgeber mit Ihrem Expert Service 50+ nutzen können. Was ist und leistet dieser Service warum braucht es ihn?

Nicht nur Unternehmen und Technologien wandeln sich. Auch Fachkräfte und zahlreiche über 50-Jährige wünschen sich beruflich und privat mehr Flexibilität. Aber es fehlen oftmals geeignete Möglichkeiten in den Unternehmen. Auch sind über 50-Jährige weniger oft arbeitslos, doch es dauert meist länger, bis sie wieder eine passende Stelle finden. Hier bieten wir interessante Überbrückungsmöglichkeiten. Wir sehen diese Dienstleistung jedoch nicht primär als soziales Engagement, sondern als geschäftsrelevanten und effizienzsteigernden Ansatz für unsere Mitglieder. Dabei greifen wir aktuelle Themen wie Fachkräftemangel, Kostendruck, demografischer Wandel, flexible Arbeitsformen oder zunehmende Dynamik auf und setzen sie als konkrete und wirkungsvolle Personaldienstleistung um. Es gibt viel ungenutztes Fachwissen und Menschen mit grossem Erfahrungsschatz. Expert Service 50+ setzt genau hier an. Auf dem Geschäftsmodell Personalverleih bieten wir ü50-Elektroprofis die Möglichkeit, Erfahrung flexibel einzusetzen, egal, ob nach der Pensionierung, in einem Teilzeiteinsatz oder zwischen zwei Anstellungen im Vollzeitpensum.

 

Ist so ein Modell auch für andere Branchen denkbar?

Ja, ich denke schon. Wir haben bestimmt den Vorteil, dass unserem Fachverband sowohl Personen als auch Firmen angeschlossen sind. Zusammen mit dem breiten Dienstleistungsangebot aus Fachtagungen, Weiterbildungen, Normung, Prüfung und Zertifizierung und nicht zuletzt der über 125-jährigen Branchenkompetenz ergibt dies ein grosses Potenzial, das wir nutzen können und wollen.

 

Werden solche Modelle in Zukunft Teil der modernen Personalstrategie sein?

Davon bin ich überzeugt. Einige grössere Unternehmen haben bereits spezielle Programme für diese wertvollen Mitarbeitenden. Viele KMUs nutzen die Erfahrung von Pensionierten situativ zur Unterstützung. Auch die Temporärbranche nimmt sich dem Thema verstärkt an.

 

Wie ist das Feedback von HR-Seiten?

Wir treffen den Nerv der Zeit und erhalten sehr gute Feedbacks. Aus einem latenten Bedürfnis haben wir eine konkrete Dienstleistung geschaffen. Jetzt liegt es auch am HR, diese zusätzliche Möglichkeit sinnvoll zu nutzen und in die Personal(beschaffungs)strategie einzubauen.

 

Was braucht HR, um dies zu bewerkstelligen?

Wie schon eingangs erwähnt, könnten Arbeitgeber und HR den veränderten Bedürfnissen vieler 50+ durchaus noch etwas flexibler entgegenkommen. Hier ist aber auch die Politik gefordert, die dafür gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen sollte. Aber auch der heutige Gesetzesrahmen lässt schon recht viel zu. Vielleicht müssen viele Arbeitgeber einfach noch etwas kreativer und ideenreicher werden!

 

Das Interview können Sie online auf hrtoday.ch nachlesen.

 

 

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