20.06.2017

Findet der Fachkräftemangel wirklich statt?

Eine Momentaufnahme aus der Elektrobranche

Schon seit einiger Zeit sagen führende Köpfe aus Industrie und Wirtschaft einen Fachkräftemangel voraus. Doch was hat das wirklich auf sich? Wer ist wirklich betroffen? Was sind die unmittelbaren Auswirkungen? Welche Massnahmen ergreifen Unternehmen konkret, diesem Trend entgegen zu wirken? Electrosuisse hat eine Blitzumfrage bei über 80 mittelgrossen Mitgliederfirmen in der Deutschschweiz zum Thema Fachkräftemangel und Herausforderungen in der Rekrutierung von Elektroingenieuren durchgeführt.

Die Aussagen der befragten Personalverantwortlichen ergaben ein relativ klares Bild: Während bei Energieversorgungsunternehmen eher eine Konsolidierung stattfindet und sich die Situation bezüglich Stellenbesetzungen etwas entspannter zeigt, gibt es im Industriesegment klare Tendenzen eines Fachkräftemangels: Es sei schwierig bis «beinahe unmöglich», offene Elektroingenieursstellen zu besetzen. Insbesondere in den Bereichen Automation und Steuerungstechnik gäbe es praktisch keine geeigneten Kandidaten, sagt die Personalverantwortliche eines mittelgrossen Schweizer Maschinenbauunternehmens in der Nordostschweiz.

Auszug von Aussagen aus der Blitzumfrage:

  • 30 % der befragten KMU haben in den letzten sechs Monaten Elektroingenieure gesucht oder eingestellt.

  • Über 40 % der befragten Unternehmen planen in den nächsten sechs Monaten, Elektroingenieure einzustellen.

  • Zwei Drittel der befragten Personalverantwortlichen sagen, dass Sie für eine Stellenbesetzung meist mehr als drei Monate benötigen.

  • Zwei Drittel der Befragten schätzen, dass die Suche nach Elektroingenieuren künftig eher noch schwieriger werden wird.

Die Folge daraus sind Vakanzen über mehrere Monate. Einige Unternehmen behelfen sich mit externen Dienstleistern, überbrücken Engpässe mit Mehrarbeit oder sehen sich gezwungen, Projekte oder Termine zu verschieben. Auf Dauer sei das unbefriedigend und zudem teuer, meint der Geschäftsführer eines KMU im Zürcher Oberland.

Konkrete Massnahmen und Lösungen sind gefragt

Alternativen und neue Lösungsansätze sind gefordert. Von flexibleren Arbeitszeiten oder der Rekrutierung älterer Fachkräfte, inklusive pensionierter Ingenieure mit Teilzeitpensen, bis hin zur Verlagerung von Tätigkeitsgebieten ins Ausland, sind Möglichkeiten, die vermehrt in Betracht gezogen werden. Doch solche Überlegungen stehen bei vielen Firmen erst in den Anfängen. Wem es gelingt, Stellenangebote mit entsprechenden Rahmenbedingungen mit viel Flexibilität zu entwickeln, ist dabei bestimmt im Vorteil.

Netzwerk wird immer wichtiger

Dass ein geeignetes Fachnetzwerk zunehmend an Bedeutung gewinnt, kristallisiert sich ebenfalls klar aus der Umfrage heraus. Wer gut vernetzt ist, trifft sich regelmässig mit Fachkräften und hat die Chance, Tendenzen frühzeitig zu erkennen. Dies ermöglicht, sich beispielsweise aktiv Initiativen auszudenken, sich mit anderen zusammenzuschliessen und auch gemeinsam Lösungen zu finden. Natürlich zeigt sich aktuell auch ein wachsendes Bedürfnis, die Nachwuchsarbeit, Berufs- und Frauenförderung voran zu treiben und Spezialisten gezielter auf geeigneten Plattformen anzusprechen. (Bernadette Kohler, Electrosuisse)

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